Was ist Einsparcontracting?

Einsparcontracting stellt eine Energiedienstleistung dar und beruht auf dem Prinzip der Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen mit Hilfe der eingesparten Energiekosten. Es bezeichnet eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Kunden und dem Energiedienstleister, der Maßnahmen zur Energieeffizienzverbesserung erbringt. Dabei wird das Ergebnis der Energieeffizienzmaßnahmen während der gesamten Vertragslaufzeit einer Überprüfung und Überwachung unterzogen.
Energieeinsparcontracting ermöglicht es Gebäudeeigentümern und Facility-Managern, eine Modernisierung und bessere Nutzung ihrer Bestandsgebäude bzw. ihres Gebäudeportfolios vorzunehmen, während das notwendige Kapital für die erforderlichen Investitionen direkt durch die Energieeinsparungen, welche durch das Energiedienstleistungsunternehmen garantiert werden, zurückgewonnen wird. Der Energiedienstleister übernimmt dabei das technische Risiko und garantiert die Einsparungen.
Das Energiedienstleistungsunternehmen erhält in der Regel eine Gebühr, welche sich aus der Höhe der Einsparungen ergibt (sollten keine Einsparungen erzielt worden sein, erhält der Energiedienstleister auch keine Auszahlung). Zudem ist das ESCO verpflichtet, Defizite bei den Einsparungen über die Laufzeit des Vertrags zurückzuzahlen. Am Ende der jeweiligen Vertragslaufzeit gehen die vollen Vorteile der Kosteneinsparungen an den Eigentümer der Einrichtung über.

In Bezug auf Energiedienstleistungen existiert eine Vielzahl von Definitionen. Die EU-Energieeffizienz-Richtlinie 2012/27/EU – EED hat eine EU-weite Definition wie folgt festgelegt:
Ein “Energieleistungsvertrag” bezeichnet eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Begünstigten und dem Erbringer einer Maßnahme zur Energieeffizienzverbesserung, die während der gesamten Vertragslaufzeit einer Überprüfung und Überwachung unterliegt und in deren Rahmen Investitionen (Arbeiten, Lieferungen oder Dienstleistungen) in die betreffende Maßnahme zur Energieeffizienzverbesserung in Bezug auf einen vertraglich vereinbarten Umfang an Energieeffizienzverbesserungen oder ein anderes vereinbartes Energieleistungskriterium, wie finanzielle Einsparungen, getätigt werden.“
Zudem werden die “mittels Durchführung der Vertragsmaßnahmen zu erzielenden garantierten Einsparungen” in der Energieeffizienzrichtlinie als eines der Mindestelemente in Energiedienstleistungsverträgen genannt (definiert in Annex XIII).

Was ist ein ESC-Anbieter?

Ein Anbieter von Einsparcontracting ist ein Energiedienstleister der eine Form von Einsparcontracting anbietet, deren Hauptmerkmal die Garantie von Einsparungen ist.

Ein „Energiedienstleister“ ist eine natürliche oder juristische Person, die Energiedienstleistungen oder andere Maßnahmen zur Energieeffizienzverbesserung in den Einrichtungen oder Räumlichkeiten eines Endkunden erbringt bzw. durchführt. Laut EED bezeichnet eine „Energiedienstleistung“ den physischen Nutzeffekt, den Nutzwert oder die Vorteile, die aus einer Kombination von Energie mit energieeffizienter Technologie oder mit Maßnahmen gewonnen werden, die die erforderlichen Betriebs-, Instandhaltungs- und Kontrollaktivitäten zur Erbringung der Dienstleistung beinhalten können; sie wird auf der Grundlage eines Vertrags erbracht und führt unter normalen Umständen erwiesenermaßen zu überprüfbaren und mess- oder schätzbaren Energieeffizienzverbesserungen oder Primärenergieeinsparungen.

ESC-Ablauf

Ist es üblich nur einen Gebäudetyp (z.B. Büros) in einem ESC Pool anzuführen, oder wird eine Kombination aus mehreren Gebäudetypen empfohlen (Büros, etc.)? Obwohl im Falle einer Kombination von Gebäudetypen das Risiko gestreut/reduziert wird, kann gleichzeitig davon ausgegangen werden, dass mehr Experten im SPIN nötig sein werden (bspw. spezialisiert in Schulgebäude, Büros, Krankenhäuser). Das lässt die Kosten steigen und erhöht somit das finanzielle Risiko. Welche Vorgehensweise wird hierbei empfohlen?

Die Antwort auf diese Frage ist abhängig von den Zielsetzungen für die Zusammenstellung des Pools. Zielt die Strategie darauf ab, durch eine Vielzahl von Gebäudetypen eine ausreichend große Masse für die finanzielle und strukturelle Durchführbarkeit des Projekts zu erreichen, so ist dies fallweise empfehlenswert. Beruht die Zielsetzung hingegen allein auf Überlegungen zum Risikomanagement, so kann eine Differenzierungsstrategie nach Gebäudetypen auch hinderlich sein. Bestehen beispielsweise Zweifel an der Leistungsgarantie, so ist es naheliegend sich vorzugsweise auf einen Gebäudetyp zu spezialisieren, um eine bestmögliche Durchführung des Projekts zu gewährleisten.

Kann davon ausgegangen werden, dass relativ neue Gebäude mit einer komplexen HLK-Installation (z.B. Heizen und Kühlen mit einer Induktionseinheit etc.) typischerweise hohe Energieeinsparungspotentiale mit einer gleichzeitig geringen Amortisationszeit aufweisen, da signifikante Energieeinsparungen hierbei über „einfache“ Einstellungsänderungen an den Kontrollsystemen erreicht werden können?

In der Regel trifft diese Aussage zu, da oftmals erkennbare Abweichungen zwischen dem ursprünglichen Konzept, der umgesetzten Installation und der eigentlichen Inbetriebnahme bestehen. Darüber hinaus weichen die ursprünglichen Vorstellungen in der Planung auch von der alltäglichen Arbeit der O&M Manager ab. Für eine erfolgreiche Durchführung solcher Optimierungsprojekte sollten Projektverantwortliche daher die Funktion eines „Informationskoordinators“ wahrnehmen, der einerseits darüber aufgeklärt ist welche Installationen vorhanden sind und andererseits deren genaue Funktionsweise kennt. Idealerweise wird dazu eine eigene Task-Force gegründet.

Ist es für ein ESC-Projekt angebracht neue Büroanlagen mit älteren zu kombinieren, bei welchen ein Austausch der Fenster sowie die Bereitstellung einer Dachisolierung verlangt werden? Kann dieser Ansatz empfohlen werden, obwohl angenommen werden kann, dass Energieeinsparungsmaßnahmen dann eine längere Amortisationszeit aufweisen werden?

Ja, dieser Ansatz ist richtig. Solche Überlegungen bilden den Kerngedanken eines ESC-Projekts, bei welchem verschiedene Gebäude in einem Portfolio betrachtet werden. Einige davon generieren dabei hohe Einsparungen bei niedrigen Kosten, wohingegen andere Gebäude substantielle Investitionen/Modernisierungsmaßnahmen benötigen, die in Form eines Einzelprojekten schwierig zu finanzieren wären.

Was ist ein SPIN?

Die Abkürzung SPIN steht für “SME Partnerships for Innovative Energy Services”. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs), die in Form von ESC (Einsparcontracting) maßgeschneiderte Energieeffizienzdienstleistungen anbieten.

Finanzielle Angelegenheiten

Ein auf HLK-Anlagen spezialisierter Energiedienstleister gibt an, bei Kombination von HLK-Maßnahmen und Maßnahmen der Gebäudehülle (z.B. Dachisolierung, Fenstertausch, etc.) nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein, obwohl diese Maßnahmen an der Gebäudehülle sehr unkompliziert umzusetzen sind. Ist dies eine weitverbreitete und begründete Einschätzung?

Grundsätzlich werden beide Projektarten am Markt nachgefragt. Sofern ein großer Energiedienstleister jedoch beabsichtigt mit seinem Leistungsangebot Teil eines nationalen Energieeffizienzplans zu werden, sollten sowohl Maßnahmen zu HLK also auch zur Gebäudehülle ergriffen werden. Hierbei muss aber auch festgehalten werden, dass Projekte bezüglich der Gebäudehülle von Objekten unter finanziellen Aspekten eine abweichende Berechnungsmethode benötigen. Denn während HLK-Maßnahmen vorrangig an Hand von Amortisationszeiten bewertet werden, muss bei Optimierung der Gebäudehülle auch auf die fortlaufende Wertminderung eingegangen werden.

Gibt es spezielle Versicherungen für ESC-Verträge? Und wenn ja, wer bietet diese an?

Um diese Frage zu beantworten lohnt es sich nach Tschechien zu blicken. Während der Auftragsvergabe verhandelt der Energiedienstleister mit verschiedenen Banken die Vertragskonditionen aus, wobei das beste Angebot der Bank in die Ausschreibung kommt. Setzt sich ein Energiedienstleister im Ausschreibungsprozess durch, so wird der Inhalt des Vertrages mit dem Anbieter finalisiert. Banken die sich dabei bereits in der Verhandlungsphase befinden, können dann Versicherungen anbieten, die garantieren, dass der Inhalt des künftigen Vertrags für eine Kreditvergabe ausreichend ist. Nach der Unterzeichnung des Vertrages wird die Versicherungsleistung gegenüber dem Energiedienstleister und dem Kunden bestätigt, wodurch die Finanzierung der Energiesparmaßnahmen sichergestellt ist.

Wann sind die Kosten für ein ESC-Vorhaben zu bezahlen?

Erst nach der Unterzeichnung des Vertrages zwischen SPIN und dem Kunden sind die Zahlungen zu tätigen.

Vertragsangelegenheiten

Wo können Beispiele für ESC Verträge eingesehen werden, um sich mit den Vorschriften bei ESC-Projekten vertraut zu machen?

Einen umfassenden Überblick zum Thema Musterverträge erhalten Sie auf der Website der Europäischen Kommission: http://ec.europa.eu/energy/intelligent/in-action/energy-performance-contracting/sowie auf der Seite der ÖGUT für den österreichischen Markt: http://www.oegut.at/de/themen/contracting/mustervertraege-contracting.php

Welche Kosten werden typischerweise vom Energiedienstleister bzw. dem ESC-Vermittler getragen?

Die genaue Kostenaufteilung hängt stark vom jeweiligen ESC-Vertrag ab, wobei sämtliche Konstellationen denkbar sind. Prinzipiell basiert die finanzielle Gestaltung auf einer Vereinbarung zwischen allen Projektbeteiligten.

In der Praxis sollten die Kosten in Relation zum jeweiligen Vorbereitungsaufwand aufgeteilt werden (wie beispielsweise an Hand des Aufwands für Grobanalyse für ein ESC mit den betrachteten Gebäuden, die Vervollständigung von technischen Daten in Hinblick auf die Abbildung der Ist-situation oder die Beschreibung des Energiesystems der Objekte). Das Volumen an Gesamtkosten, bezahlt vom gewinnenden Anbieter, muss auch in der Dokumentation des Angebots festgehalten werden. Zusätzlich müssen alle Mitbewerber ihre Kostenaufstellung im angebotenen Preis inkludieren und die genaue Berechnungsweise dieser Kosten offenlegen.

Marketing

Auf welche Weise kann am besten mit potenziellen Kunden und Projektentwicklern in aufstrebenden ESC-Märkten in Kontakt getreten werden?

Veranstaltungen jeglicher Art (z.B. Workshops, Seminare, Konferenzen, persönliche Gespräche, etc.) sind der vielversprechendste Weg, um mit relevanten und interessierten Ansprechpersonen in Kontakt zu kommen. Dabei ist es stets förderlich über derzeit laufende Projekte zu sprechen, selbst wenn diese erste am Beginn ihrer Umsetzung stehen. Gehen Sie aktiv auf potentielle Kunden zu, speziell wenn KMUs eine Bühne geboten wird. Alternativ können auch internationale Vereinigungen wie EU ESCO als wichtige Plattformen zum Austausch und zur Vernetzung genutzt werden.

Selbstverständlich bietet auch die EPC+ Homepage eine geeignete Plattform um das Marketing voranzutreiben, zumal diese Seite auch allen KMUs ermöglicht, sich über Projektaktivitäten und –fortschritte auszutauschen.

Welche Kommunikationsstrategie sollte verfolgt werden, um potenziellen Kunden den Nutzen von ESC zu vermitteln?

Hierbei ist es stets entscheidend auf Best Practice Projekte zu verweisen. Sind in Ihrem Land keine nennenswerten Best Practice Projekte zu finden, so orientieren Sie sich an ähnlichen Projekten im Ausland (wie z.B. Krankenhäuser, Schulen, Wohngebäude, etc.). Auf diese Weise ist es einfacher die erfolgreich erreichten Einsparungen, sowie den generellen Planungsprozess von ESC-Projekten zu vermitteln.